Lehrgang Literarisches Schreiben

Schreiben ist eine Kunst, aber auch ein Handwerk. Der Lehrgang «Literarisches Schreiben» setzt auf eine schriftstellerische Ausbildung, die beides berücksichtigt. In vier sorgfältig aufgebauten Modulen werden verschiedene literarische Formen und Genres erprobt, mit den Ergebnissen experimentiert, und so der Weg zum eigenständigen Arbeiten und zum eigenen Werk geebnet.

Der Lehrgang unterstützt die Teilnehmenden, sich im Alltag einen kreativen Freiraum zu eröffnen, der es ihnen ermöglicht, das eigene Leben und unsere Welt schreibend zu befragen und darzustellen. So versteht er sich als Forschungsprojekt auf die Welt, auf das Ich und auf die Sprache hin. Er versteht sich zudem als Forum für Gleichgesinnte, die bereit sind, ihre Texte und deren Wirkung in der Gruppe zu diskutieren. Leitziel ist es, verschiedene Arbeitsformen zu erkunden, unterschiedliche Haltungen zu erproben und so zu individuellen Ausdrucks-möglichkeiten und zu einer eigenen Sprache zu finden.

Zielpublikum

Der Bildungsgang richtet sich an:

  • Personen, die bereits Erfahrungen mit unterschiedlichen Formen des literarischen Schreibens gemacht haben und diese vertiefen möchten
  • Lese- und Literaturbegeisterte, die immer wieder auch schreiben, neue Wege suchen und sich dabei vom Ergebnis überraschen lassen möchten
  • Professionell Schreibende aus allen Bereichen, die den Wunsch haben, ihr Schreiben zu verändern und literarisch weiterzuentwickeln
  • Künstlerisch und kreativ tätige Personen, die mit Sprache dichterisch umgehen möchten

Methoden

Die Teilnehmenden lernen das elementare Handwerk des literarischen Schreibens kennen und erweitern ihre persönlichen Fähigkeiten im Entwerfen und Gestalten literarischer Texte. Dabei kommt es zu Einsichten in die Bezüge zwischen Sprache und Wirklichkeit, zwischen Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Schreiben. Überprüfung finden diese Einsichten im Prozess des Schreibens sowie in der Lektüre von poetologischen Texten. Verschiedene Feedbackmethoden und -haltungen kommen zur Anwendung, die eine konstruktive, kritische Diskussion über die Texte sowie eine produktive Auseinandersetzung mit ihnen ermöglichen.

Inhalt und Aufbau

EINFÜHRUNG

Die beiden ersten Samstage dienen der Standortbestimmung im eigenen Schreiben und dem gegenseitigen Kennenlernen. Es wird eine Kultur der produktiven und konstruktiven Kritik erprobt und angeeignet.

MODUL 1 – ERZÄHLENDES SCHREIBEN

Themenschwerpunkte:

  • Stoffe, Figuren, Sprache, Erzählhaltungen
  • Vergleichen und Umsetzen von Perspektiven auf die erzählte Welt, Entwickeln von Stoffen und Figuren
  • Prosatexte entwerfen, besprechen und überarbeiten

MODUL 2 – EXPERIMENTELLES SCHREIBEN

Themenschwerpunkte:

  • (Alltags-)Worte und Empfindungen als Grundlage von experimentellen Texten
  • Handwerkliche Grundlagen des experimentellen Schreibens: Spielerischer Umgang mit Worten, Laut, Schrift und Bild
  • Erforschung kreativer Vorgänge und des Schreibprozesses

MODUL 3 – SZENISCHES SCHREIBEN

Themenschwerpunkte:

  • Der Konflikt als grundlegende Kategorie
  • Finden und Kennenlernen eigener Figuren
  • Monologe und Dialoge schreiben
  • Methoden der Stückentwicklung – ein Kurzstück schreiben

MODUL 4 – LYRISCHES SCHREIBEN

Themenschwerpunkte:

  • Die Erörterung verschiedener Poetiken, Poetologien und Techniken
  • Die Auseinandersetzung mit vornehmlich modernen Gedichten
  • Das Ausprobieren von unterschiedlichen Formen und Techniken
  • Das Verfassen und Diskutieren eigener Gedichte

AUTORINNENTAGE

Es geht um den Austausch mit Autorinnen und Autoren, die über vielfältige Erfahrungen mit dem Schreiben und Publizieren haben. Am Morgen wird über Themen wie Werkgenese, Schreibprozess, Veröffentlichung, Schreiben als Lebensform diskutiert. Am Nachmittag leiten die AutorInnen die Teilnehmenden in Schreibwerkstätten zu eigenen Texten an. GastautorInnen der letzten Jahre waren Peter Stamm, Wolfram Lotz, Marina Skalova, Wolfram Höll, Li Mollet u.a.

ZWISCHENPRÄSENTATIONEN

Während des Bildungsgangs haben die Teilnehmenden zweimal die Gelegenheit, ihre Arbeiten einem interessierten Publikum zu präsentieren. Die Zwischen-präsentation ‘Erzählendes Schreiben’ erfolgt in Zusammenarbeit mit dem JULL. Es soll ein Austausch mit jugendlichen Schreibenden stattfinden.

PROJEKTPHASE

In Arbeitsgruppen, bestehend aus drei bis vier Teilnehmenden, werden unter Anleitung der Dozierenden über sechs Monate eigene, grössere Projekte entwickelt. Die Gruppe trifft sich im eigenen Rhythmus. De zeitliche Aufwand beträgt ca. fünf längere Gruppen-sitzungen, an denen differenzierte Feedbacks auf die einzelnen Texte erfolgen und die Weiterarbeit geplant wird. Der schöpferische Prozess wird reflektiert und es sollen Erfahrungen bezüglich Werkgenese und Überarbeitung ausgetauscht werden.

JURYTAG

Im Austausch mit Personen aus Literaturkritik und Verlagswesen wird am sogenannten Jurytag die Qualität des sich in der Entstehung befindlichen Projekts und seine möglichen Wege zu einer Veröffentlichung erörtert. Die Mitglieder der Jury reagieren auf die präsentierten Projekte und Texte mit einer fundierten, fachlich begründeten Beurteilung und Diskussion.

ABSCHLUSS – FINISSAGE

Im Rahmen der Finissage werden die in der Projektphase entstandenen Texte in Auszügen und in einer entsprechenden Präsentationsform wie Lesung, szenische Aufführung oder visuell unterstützte Darbietung einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Absolventinnen und Absolventen ein Zertifikat in literarischem Schreiben.

Lehrgangsleitung
Viola Rohner

Hinweis
Es gelten besondere Aufnahmebedingungen. Es sind nur 14 Plätze vorgesehen. Der Lehrgang startet im Frühsommer 2019. Der nächste Durchgang beginnt im Frühsommer 2021.

Detaillierte Information.

Eine Koproduktion mit dem JULL Jugend Literatur Labor.