05 Apr

Photo: Toni Vescoli, ca. 1967

1968 hat die Welt verändert. Aus 50 Jahren Distanz lässt sich das ganz nüchtern konstatieren, egal, auf welcher Seite der Barrikaden man damals stand. 1968 hat den Glauben an die Autoritäten untergraben, hat den bürgerlichen Kanon beseitigt, hat den Weg zur modernen, improvisierten Kunst und zur Selbstbezogenheit der Gegenwart geebnet. 1968 hatte dafür einen eigenen Sound, eine eigene Musik: die Rockmusik. 1968 war eine Kulturrevolution, weil es die geltenden ästhetischen Kategorien auf den Kopf stellte und für einen kurzen Moment lang die Hoffnung nährte, es könne auch alles ganz anders sein.

In der Ringvorlesung „For the Times They Are A-Changing – 1968 in der Musik“ gehen wir diesem Wandel nach. Wie die Politik in die Musik kam und wieder raus. Und was der Träume sonst noch waren, und wie sie sich im Dunst der Selbstberauschung auflösten. Klingende Geschichte mit Beispielen von Bob Dylan, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Rolling Stones, The Doors. Und mit Live-Gast Toni Vescoli. Auch er sang damals: Ich mache was I will!

Höhepunkt der Reihe ist der Auftritt von Toni Vescoli. Gründer von Les Sauterelles, der ersten Popband der Schweiz, erzählt er über die damalige Zeit: Warum alles anders werden musste, was die Rolle des Vaters war, wie er zu seiner Sonnenbrille kam, warum alles politisch war und genauso unpolitisch – das Stimmungsbild eines Zeitgenossen, gewürzt mit ein paar Songs.

Toni Vescoli singt und erzählt
„Mache was I will“
Donnerstag, 17. Mai 2018, 19:30 – 20:45, Universität Zürich Zentrum.
Abendkasse ab 19:00.

2 Comments

  • Walter Terry Senn 25. April 2018 at 16:28

    Es ist wirklich interessant, wie sich heute (nach 50 Jahren) bzgl. der ‘Untergrabung des Glaubens an die Autoritäten‘ alle auf 1968 festlegen! Obwohl alles (auch in unserem Land) einige Jahre früher angefangen hat. Als ich 1961 meine erste Formation ‘Bull Train Skiffle-Group‘ gründete, damit im selben Jahr die Finalausscheidung zum jährlichen ‚Schweizer Jazz Festival‘ erreichte und durch Auftritte im (damals einzigen) Zürcher Jazzlokal ‘Café Africana‘ in Kontakt mit dem legendären Blues-Sänger und Pianist ‘Champion‘ Jack Dupree (USA) kam, welcher an speziellen Abenden durch uns begleitet wurde, waren wir (wenigstens in Zürich) die erste Formation, welche weder Jazz noch Klassik interpretierte, sondern R&R, Western-Boogie und Blues! Die ‘Africana-Sessions‘ förderten die Popularität dieser ‘neuen‘ Musik und dadurch entstand in unserer Stadt eine erste (noch kleine) ‘Rhythm & Blues-Szene‘! Diese Musik wurde von der gesamten Erwachsenenwelt ignoriert, abgelehnt und verspottet! Als mein Lehrmeister (Orell Füssli AG) davon erfuhr, wollte er mir dies verbieten, indem er mir drohte das Lehrverhältnis aufzulösen, wenn er erfahre, dass ich weiterhin öffentlich auftreten werde. Natürlich machten wir heimlich weiter und fühlten uns nun wie eine ‘verschworene Bande‘. Mit einem Musikerkollegen reiste ich 1963 extra nach London, um nun alles an den ‘Originalplätzen‘ zu erleben. Als ich dann in der als ‘Home of Stars‘ bekannten ‘Two I’s-Coffee-Bar‘ auftrat und Sänger und Musiker wie Wee Willie Harris, Georgie Fame oder The Paramounts (Vorgänger von Procol Harum) kennenlernte, stellte ich fest, dass die ‘Skiffle-Ära‘ vorbei war und Rock’n’Roll + Beat-Musik das Zepter übernommen hatten! Zurück in Zürich formierte ich 1964 eine neue Combo mit dem Namen ‘Terry Walt & the Lightnings‘, welche sich im Verlauf der Jahre bis 1980 zu Terry & the Hot Sox veränderte! Die Musik, das dazugehörende ‘freiheitliche Gefühl‘ und der Kampf um Akzeptanz ist aber bis 2018 weiterhin geblieben! Wie man sehen kann, geschah dies alles schon viele Jahre vor der gern zitierten 1968er-Revolte!

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    • Pius Knüsel 6. Mai 2018 at 19:25

      So ist es. Um ein Gespräch in Gang zu bringen, braucht es manchmal eine Verdichtung oder Ereignisse, die zu Symbolereignissen wurden, auch wenn sie weder der Grund noch die Essenz der Zeit waren. Einfach weil sie Chiffren sind, die die meisten verstehen. Hier kann die Diskussion einsetzen. 1968, Les Sauterelles, Toni Vescoli – das sind solche Chiffren. Willkommen an der VHS!
      Pius Knüsel

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