26 Jun

Wie kamen Sie zur VHS und worin besteht Ihre Aufgabe? 

Patricia Picek Nadig: Ich bin seit 2009 dabei. Anfänglich unterstützte ich die Administration bei der Organisation der Sprachkurse,  2012 übernahm ich die Leitung des Ressorts Sprachen.

Was bedeutet Ihnen Sprache?

Dazu habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Ich bin zweisprachig aufgewachsen und musste als Kind jeden Mittwochnachmittag zur Förderung in den Muttersprachenunterricht. Es war eine Qual. Doch durch Reisen und Sprachkurse erkannte ich mit der Zeit, dass mir Sprachen in ihrem Herkunftsland Türen öffnen können. Man erhält einen ganz anderen Zugang zu Menschen. Sprache bedeutet mir daher Integration, Interesse und Respekt.

Warum sollte man überhaupt eine Fremdsprache erlernen? 

Den Zugang zu fremden Kulturen erhält man einfachsten über die jeweilige Landessprache. In der Geschäftswelt wiederum wird vielfach Englisch, allenfalls Französisch oder Italienisch vorausgesetzt. Und erwünscht sind Fremdsprachenkenntnisse ja in fast allen Berufen und Firmen.

Aber heute sprechen doch ohnehin alle Englisch – geschäftlich und im Internet … 

Durch Internet und Fernsehen mag die junge Generation automatisch mit Englisch aufwachsen, doch das muss nicht heissen, dass sie – oder wir Erwachsenen – diese Sprache beherrschen. Deshalb bietet die VHS neben Business- und Diplomkursen auch Grundkurse an. Nach Englisch ist die verbreitetste Sprache noch immer Chinesisch und weiterhin sehr beliebet sind Japanisch und Romanisch. Bei der VHS glauben wir an Vielfalt. Nicht zuletzt deshalb haben wir auch alte Sprachen wie Latein oder Altgriechisch im Programm.

Gibt es Sprachen, die Ihrer Meinung nach gefördert werden sollten?

Fürs Geschäftliche wird ganz klar Englisch benötigt. Aber für unsere Welt ist Mannigfaltigkeit meiner Meinung nach sehr wichtig. Es wäre wirklich langweilig, wenn auf dem ganzen Erdball nur noch eine einzige Sprache benutzt würde. Darum sollten insbesondere Sprachen gefördert werden, die fast nicht mehr gesprochen werden. Auch sollten bei allen Sprachen alte und ursprüngliche Ausdrücke und Wörter bewahrt werden. Bereits einiges ging im Lauf der Zeit vergessen oder wurde stark abgewandelt.

Welches ist Ihre persönliche Lieblingssprache und weshalb?

Mein Schweizer Dialekt; in keiner anderen Sprache kann ich mich besser und schneller ausdrücken.

Glauben Sie, dass es irgendwann nur noch eine einzige Sprache geben wird?

Das möchte ich nicht glauben. Eher geht die Welt unter als dass die Sprachenvielfalt komplett verschwindet. Wollen wir hoffen, dass beides ausbleibt.

Interview: Mike Mateescu

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