27 Mai

Stichwort Ökologie: Ist die kühle Nüchternheit von Zürich-West ein Vor- oder Nachteil für den Standort des Kulturparks? 

Ein Vorteil! Im Kulturpark diskutieren wir Themen wie Ökologie nicht in Birkenstock-Sandalen – obwohl dagegen natürlich nichts einzuwenden wäre –, sondern in einem technisch durchdachten Konzeptbau. Das zeigt auch, worum es uns geht: Nicht um Nachhaltigkeit als Askese, wohl aber als Weg in die Zukunft, der bereits hier und jetzt Sinn und gleichzeitig Spass macht. Das Quartier Zürich-West wurde nicht zufällig als Standort gewählt, sondern hat den Kulturpark überhaupt erst als solchen inspiriert: Die Stiftung Hamasil wollte etwas Greifbares für die Belebung von Zürich-West unternehmen, statt bloss ins vorherrschende Klagelied einzustimmen.

Wie gross ist der Austausch der VHS mit den über 20 Firmen im Gebäude?

Wie für eine Nachbarschaft üblich, pflegt man ein paar intensive Kontakte, während man anderen nur selten begegnet. Doch durch das Mandat der Raumvermietung stehen wir mit den meisten nun regelmässig in Kontakt. Der Kulturpark zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Mitarbeiter der verschiedenen Institutionen und Firmen regelmässig an Netzwerktreffen teilnehmen. Das begünstigt den gegenseitigen Austausch, da die meisten Firmen „seelenverwandt“ sind, weil wir uns ja alle in irgendeiner Form der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet fühlen. Das äussert sich nicht nur in einer lockeren Du-Kultur, sondern auch darin, dass die gemeinsame Wertehaltung informelles Zusammenarbeiten und Unterstützen erleichtert.

Was macht die Überbauung ökologisch vorbildlich? 

Der Kulturpark versteht sich als «Klimainsel». Offene, durchlässige Böden lassen Regenwasser einsickern und sorgen während der heissen Monate für Verdunstungskühlung. Die hellen Fassaden werfen das Sonnenlicht zurück, Baumarten mit viel Blätterwerk spenden Schatten. Meteorwasser wird gesammelt und für die Kühlung der Treppenhäuser genutzt. Eine mechanisch passive Auskühlung und Durchlüftung der Treppenhäuser, eine sorgfältige Materialwahl und vieles weitere tragen zur natürlichen Lebens- und Arbeitsplatzqualität im Kulturpark bei. Heizwärme beziehen wir übrigens von der nahegelegenen Kehrichtverbrennungsanlage.

Was sind die Synergien zwischen den Wohnungsmietern und dem Kulturpark?

Hier laufen die Dinge erst an. Die meisten Firmen im Kulturpark sind erst seit gut einem Jahr ansässig, und Dinge wie Umzug, Zurechtfinden am neuen Ort oder der Kontakt mit den zahlreichen «Nebenmietern» benötigen nun mal Zeit. Der Kontakt mit den Bewohnern, welche bereits vor zwei Jahren einzogen, hält sich noch in Grenzen, aber allmählich kommt er zustande. Erst kürzlich wurde die Plattform «fürenand.ch» eingerichtet, die auch von Firmen genutzt werden kann. Die Bewohner selbst sind gut organisiert und nehmen neuerdings an den Netzwerkveranstaltungen teil. Es entwickelt sich etwas!

An welche Menschen richtet sich das Angebot des Kulturparks primär?

An alle, die sich Gedanken darüber machen, wie wir gemeinsam in die Zukunft gehen wollen. Das Thema Nachhaltigkeit beschränkt sich dabei nicht auf Ökologie, sondern befasst sich auch wesentlich mit der gesellschaftlichen Entwicklung.

Welchen Einfluss nimmt die Hamasil-Stiftung?

Als Bauherrin des Kulturparks und als Auftragsgeberin für das Veranstaltungsprogramm gibt Hamasil die Stossrichtung der Programmausrichtung vor. In der Ausgestaltung sind wir ziemlich frei. Weiter unterstützt uns die Stiftung mit zahlreichen Kontakten in der Szene. Durch ihre Fördertätigkeit hilft sie uns ausserdem entscheidend dabei, interessante Projekte in den Kulturpark zu bringen.

Was hat es mit dem Kulturpark-Fest auf sich und was erwartet uns da?

Es wird kein gewöhnliches Fest werden, eher eine Art Zukunftstag. Mit dem Netzwerk-Gedanken möchten wir alle Firmen und Bewohner in einen kulturparkweiten Event einbeziehen. Weder wir noch Hamasil wollen ihn besonders steuern. Wir hoffen vielmehr, dass diese Schule für die Zukunft im Kulturpark-Schwarm entsteht. Wie das dann genau endet? Wir werden es am 8. September sehen!

Interview: Mike Mateescu

Kulturmanager Valentin Huber war von 2011 bis 2016 Ressortleiter Politik, Musikgeschichte und Religion bei der Volkshochschule Zürich. Er hat Politik und Religion studiert. Seit Sommer 2016 betreut er das Mandat Kulturpark (Raumvermietung und Programm) der VHS; seit Frühling 2017 ist er ausschliesslich für das Programm im Kulturpark zuständig.

Kommentar